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Du, eine kostbare Perle...

Wiedergutmachung

Wir kommen aus dem "Ursprungsland der Reformation", so künden es eher Menschen der Politik, des Tourismus und der Wirtschaft, auch hoher Kirchenangestellter.

In uns Gläubigen ist es nicht nur das Wort "reformare", welches bedeutet erneuern, verbessern, aufbessern, umgestalten. Es ist in unserem Glauben immer auch die Trennung, die Kirchenspaltung, die Luther selbst so nicht wollte. Auch Nicht-Gläubige, Suchende, Sympathisanten fühlen sich angesprochen, geborgen, herausgefordert, aus dem "Land der Reformation" zu kommen.

Doch was leisten wir? Leben wir in der Vergangenheit, verkleiden uns in Gewänder des Mittelalters, reden in deren Redens- und Mundart, spielen deren Spiele, speisen deren Essen, betreiben das Leben Luthers und seiner Zeitgenossen als Schauspiel, beten in politischen Kirchenveranstaltungen...? Was machen wir?

Immer wieder etwas gut machen, ein Gut schaffen. Das geht einmal durch liebe Worte, zärtliche Gesten, barmherzige Werke, weiterhin durch Opfer, Verzicht und durch finanzielle Unterstützung.

In meiner Kindheit gab es einen Kasten mit einem Schlitz. Darauf saß ein Mohr, ein Mensch dunkler Hautfarbe. Wenn wir ein Geldstück in den Kasten geworfen haben, fing der Mohr an zu nicken. Es kam uns in den Sinn, dass er "Danke" sagte. Als eine alte Dame hinter uns das hörte, sprach sie: "Der Taler in dem Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.", sie lachte und lachte leise vor sich her, versunken in Gedanken und in vergangene Zeiten. Das hatte was. Wir wiederholten das immer wieder. Dann rhythmisierten wir es. Irgendwie gefiel uns das. Wir warfen noch ein Stück Geld hinein und sagten dazu diesen Spruch und ahmten das leise Lachen der alten Frau nach. Sie ging und bei uns bleib das eindrucksvoll zurück. Jahre später hatten wir im Religionsunterricht gelernt, dass mit diesem Spruch die Kirche viel Geld machte. Es ging im Mittelalter um den Ablasshandel. Ablass war einmal die Gnade von Rom und der Glaube an sich, dass man durch die Gabe von Geld sich von den zeitlichen Sündenstrafen loskaufen konnte. Der Handel daran war auch das persönliche Abwägen, wie viel man gesündigt hat und was man gedachte dafür zu geben.

Würde man den Ablasshandel positiv sehen, so gibt es Menschen, die mit ihrer Gabe hoffen, glauben und beten: "O Gott sei mir gnädig, nimm hinweg meine Schuld, wasche mich rein." Viele Menschen kennen damit verbunden auch die innere Rede, in der sie nicht zu Gott, sondern zu sich sprechen: "Hoffentlich geht alles gut, hoffentlich kommt kein Unheil über uns. Ich werde mich bessern, wenn alles gut geht." Oftmals sprechen Menschen auch zueinander, um Trost, Zuversicht und Zuspruch zu erhalten.

Jede Gabe möge immer zu einer Aufgabe werden und den Gebenden in seinem inneren Wesen und Wert stärken und sicher werden und daran glauben lassen: Wir gut, dass wir einander haben, wie gut, dass wir einander sind. Hier verbinden sich Haben und Sein, Geben und Nehmen, Menschen mit Menschen.